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1 Hektar Zukunft

Unsere Naschhecke – Riechen, schmecken, naschen

Ein essbares Abenteuer für alle Sinne

Am 26. September 2025 war es endlich so weit: Unser Lernort „Hof & Acker“ ist um ein weiteres naturnahes Element gewachsen. Eine rund 30 Meter lange, essbare Windschutzhecke, die künftig nicht nur Schutz bietet, sondern auch zum Naschen und Entdecken einlädt.

Eine Hecke pflanzt man nicht allein, sie braucht viele helfende Hände. Bei unserer Pflanzaktion packten alle mit an: von den Kleinsten aus der Wietstocker Kita Grashüpfer und den Eltern über die Pädagog:innen bis hin zu unserem FÖJler und engagierten Ehrenamtlichen.

Ausgestattet mit Spaten, heißen Getränken und einer großen Portion Vorfreude wurde aus unseren Plänen ein echtes Gemeinschaftserlebnis. Die von Ackercrowd e.V. unterstützte Aktion bot dabei nicht nur die Möglichkeit, Zeit in der Natur zu verbringen, sondern auch Wissen zu teilen und aktiv an der Gestaltung eines nachhaltigen Lebensraums mitzuwirken.

Was ist eine essbare Windschutzhecke?

Sie sieht auf den ersten Blick aus wie ein gewöhnlicher Buschstreifen, doch unsere Naschhecke ist ein ökologisches Multitalent. Als Kombination aus Beerensträuchern und Wildgehölzen bietet sie natürlichen Schutz vor Wind und ist gleichzeitig ein essbares Paradies für Mensch und Tier. Hier wachsen künftig Himbeeren, Johannisbeeren, Holunder und vieles mehr.

Doch unsere Naschhecke kann noch mehr:

  • Biodiversität fördern: Die Hecke bietet Lebensraum für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere.
  • Klima schützen: Windschutzhecken reduzieren Erosion und verbessern das Mikroklima.
  • Natur erleben: Groß und Klein erleben Umwelt, Natur, Nachhaltigkeit ganz praktisch beim Riechen, Fühlen und Naschen.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Hecken zu einem so wichtigen Teil unserer Kulturlandschaft wurden? Und was macht unsere essbare Windschutzhecke so besonders?

Hecken als stille Heldinnen der Kulturlandschaft

Hecken sind keine moderne Erfindung, sie begleiten die menschliche Kultur seit Jahrhunderten. Der Agraringenieur von Baumfeldwirtschaft Herr Knödler gibt einen Einblick in die historischen Rahmenbedingungen für die Entstehung von Hecken als Teil der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft.

In früheren Zeiten dienten Hecken vor allem praktischen Zwecken:  als lebendige Grundstücksabgrenzung zwischen Feldern und Weiden.

Darüber hinaus waren sie unverzichtbare Rohstofflieferanten: Die Gehölze lieferten Brenn- und Bauholz, während aus den Ästen Körbe oder Werkzeugstiele gefertigt wurden. Neben dieser stofflichen Nutzung war ihre Schutzfunktion bereits damals entscheidend:

In windigen Regionen bewahrten Hecken die Flächen vor Austrocknung und Erosion und sicherten durch ein günstiges Mikroklima die landwirtschaftlichen Erträge.

Ökologische Bedeutung: Hecken als doppelter Waldrand

Doch Hecken sind nicht nur nützlich für den Menschen, sie sind ökologische Hotspots! Botanisch betrachtet handelt es sich um einen doppelten Waldrand. Sie besteht aus drei Zonen:

  1. Kernbereich (innerste Reihe): Hier stehen Großsträucher bis hin zu Bäumen erster Ordnung wie Holunder, Feldahorn oder Wildkirsche. Diese bilden das Rückgrat der Hecke und bieten Lebensraum für höhlenbrütende Vögel und größere Tiere.
  2. Mantelbereich (mittlere Reihe): In dieser Zone wachsen mittlere Sträucher wie Johannisbeeren, Schlehen oder Weißdorn. Sie bilden eine dichte, undurchdringliche Barriere, perfekt für Nistplätze und Verstecke.
  3. Saumbereich (äußere Reihe): Hier geht es niedrig zu: Stauden, Gräser, Kräuter und Einjährige wie Walderdbeeren, Schafgarbe oder Wilde Möhre bilden den Abschluss. Dieser Bereich ist besonders artenreich und bietet Nahrung für Insekten und Kleintiere.

Die Aufteilung in Kern, Mantel und Saum hat ganz praktische Gründe: Die zonierte Aufteilung in Kern, Mantel und Saum folgt einem klaren praktischen Nutzen. Durch diesen schleppenförmigen Aufbau wird der Wind effektiv nach oben umgelenkt, was die Erosion auf angrenzenden Flächen mindert und junge Pflanzen schützt. Gleichzeitig schafft die Staffelung eine hohe Lebensraumvielfalt, da jede Zone spezialisierten Tier- und Pflanzenarten eine Nische bietet.

Unsere Naschhecke: Was wächst hier eigentlich?

Unsere Naschhecke folgt diesem Prinzip, jedoch mit einer modernen, essbaren Variante, die nicht nur Schutz bringt, sondern auch zum Naschen, Fühlen, Riechen einlädt. Wir haben das Prinzip der dreireihigen Hecke so angepasst, dass sie besonders für Kinder gut zugänglich bleibt. Hier wachsen neben heimischen und robusten Gehölzen, Sträuchern auch Beeren, Früchte und Kräuter, die geerntet und genossen werden können.

  • Hintere Reihe (Kernbereich): Hier stehen die größeren Gehölze wie Holunder, Ölweide und Kupferfelsenbirne. Sie bieten Schatten, Schutz und Nahrung für Vögel.
  • Vordere Reihe (Mantelbereich): Hier wachsen die kleinwüchsigen Beerensträucher wie Johannisbeeren oder Jostabeeren, perfekt zum Pflücken und Naschen!
  • Saumbereich: Am äußeren Rand krabbeln Walderdbeeren durch das Laub, ein echter Hingucker und Leckerbissen.

Direkt neben der Hecke liegt unsere kleine Streuobstwiese mit alten Apfel- und Birnbäumen sowie auch Pfirsich- , Pflaumen- und Kirschbaum. Diese Kombination ist ein echter Glücksfall, denn beide Flächen unterstützen sich gegenseitig. Die Hecke schützt die Obstbäume vor Windbruch und lockt Bestäuber wie Bienen und Hummeln an. Im Gegenzug spenden die Bäume den Beerensträuchern in heißen Sommern wertvollen Schatten. So schließt sich ein gesunder Nährstoffkreislauf.

Wie geht es weiter?

Eine Hecke wächst nicht von heute auf morgen, sie braucht Pflege, Geduld und Liebe. Im Frühjahr 2026 erwarten wir die ersten Blüten, die als wichtige Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge dienen. Die nächsten Sommer werden die erste Ernte heimischer Früchte bringen, während wir in den folgenden Herbstzeiten beobachten können, welche Vögel die Hecke als neuen Schutzraum oder Nistplatz annehmen.

Mitgestalten und Erleben: So kannst du dabei sein

Unsere Naschhecke lebt vom Mitmachen. Jede helfende Hand ist willkommen. Bei regelmäßigen Pflege- und Ernteterminen sind alle herzlich eingeladen, die Hecke gemeinsam mit uns zu erhalten und die Früchte der Arbeit zu genießen. Sei es beim Gießen, Mulchen oder beim fachgerechten Rückschnitt der Sträucher oder dem gemeinsamen Verarbeiten der Beeren zu Marmelade, Säften oder Tees in der Erntezeit.

Darüber hinaus freuen wir uns über alle, die ihr Wissen in Form Workshops weitergeben möchten. Auch das Dokumentieren der Fortschritte ist eine tolle Unterstützung: Fotos von neuen Trieben oder den Tieren, die in der Hecke ein Zuhause finden, helfen uns dabei, die Entwicklung dieses besonderen Ortes festzuhalten und mit anderen zu teilen.

Natürlich bist du auch herzlich eingeladen, die Hecke einfach zu besuchen, selbst zu naschen oder deine eigenen Erfahrungen mit essbaren Landschaften mit uns zu teilen.

Du hast Lust, dabei zu sein? Dann schreib uns eine E-Mail an mitmachen@1ha-zukunft.de oder komm einfach direkt bei uns vorbei.

1 Hektar Zukunft – Integrative Ernährungsbildung & Netzwerk für regionale Bio-Wertschöpfungsketten
Wir vernetzen Schulen, Kitas, Betriebe, Kommunen und Familien, damit gutes Essen für alle selbstverständlich wird. Dazu entwickeln wir Bildungsangebote zu Ernährung, Klima und Landwirtschaft und unterstützen den Aufbau regionaler Bio-Wertschöpfungsketten.

Alt-Wietstock 1, 14974 Ludwigsfelde (Lernort Hof & Acker)
Colditzstraße 34-36, 12009 Berlin (Lernort Großküche & Mensa)
www.einhektarzukunft.de | @einhektarzukunft

Kontakt
Telefon: +49 176 / 404 911 78
E-Mail: mitmachen@1ha-zukunft.de